Zeitumstellung, sonderbar.

Vor Jahren habe ich in einer Galerie einen Installationsraum gestaltet. Auf gut zwei Dutzend weißen Bildern fanden sich je vier Zeitdauern aneinander gereiht. Diese Zeitdauern dokumentierten die höchst divergenten Zeitlängen unterschiedlicher Einspielungen der vier Sätze der 8. Sinfonie (WAB 108, 1890) von Anton Bruckner. Diese Statistik findet sich ganz leicht in den Engen des Internets. (Die „Achte“ ist nebenbei angemerkt die einzige Sinfonie, die Bruckner mit Metronomzahlen ausgestattet hat.) Sonderbar, dass ein Mensch sich die Arbeit macht, solche Listen zu erstellen. „Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding. …. Manchmal hör‘ ich sie fließen unaufhaltsam. Manchmal steh‘ ich auf, mitten in der Nacht und lass‘ die Uhren alle stehen.“, singt die Marschallin in Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“. Musik vermag so vieles in und außer der Zeit, behaupte ich aus eigenen Erfahrungen ganz schnell. (Darüber schreibe ich vielleicht eines Tages noch ein Buch, aber nicht gleich und gar nicht jetzt.) Der Tage wurde ich auf eine Version des Songs „New York, New York“ gestoßen. Ich hatte die großstädtisch pulsierende Wiedergabe von Frank Sinatra im Ohr und höre auf einmal Carey Mulligans – vielleicht halb so schnelle oder doppelt so langsame – Ausbreitung aus dem Film „Shame“.  Die gemessene Zeit spielt dabei (k)eine Rolle, sicher aber das Anhalten dieser. Zeitumstellung, sonderbar, ganz wunderbar.

Foto: „Gegenwartsversessenheit“ aus der Ausstellung „Keine Kunst“ (2013) von Andrea Bauer

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